Fragen Sie Frau Andrea

Mitten rein in die Gebenedeitheit zappen

Kolumnen | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Liebe Frau Andrea,

ich fuhr heute auf der A1 und zappte durch den Hörfunk. Auf Radio Maria hielt ich an und staunte - es wurde ein Rosenkranz gebetet. Im Radio. Nun meine Frage: Was ist, bitte, eine "gebenedeite“ Frau?

Liebe Grüße, Richard Wimmer,

per Bernsteinfunkennachricht

Lieber Richard,

bei Ihrer Rundfunk-Hör-Erscheinung handelte es sich nicht um ein Wunder. Sie hätten ihr Fahrzeug nicht unbedingt anhalten müssen, fahrendes Staunen hätte genügt. "Radio Maria Österreich - Der Sender mit Sendung“ bringt missionarisch ausgerichtetes, römisch-katholisches Programm für Österreich.

Ziel der Fernmundprediger, die ihren Sendebetrieb 1998 mit einem UKW-Strahler auf der Basilika Sonntagberg im Mostviertel Niederösterreichs aufnahmen, ist es nach eigener Angabe, das "vielfältige Leben der Kirche und der Menschen in unserem Land“ abzubilden.

Im Rahmen dieses spirituellen Auftrags wird mehrmals täglich etwa 40 Minuten Radio-Rosenkranz gebetet. Bei diesen lyrischen Textketten handelt es sich um Repetitionen von Vaterunser und Ave Maria, den zwei Zentralgebeten des Katholizismus. Um Genauigkeit in der richtigen Abfolge von Gebeten und Zwischentexten zu erzielen, fingern sich die Betenden durch ebenfalls Rosenkranz genannte Perlschnüre, deren Kügelchen in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet sind.

Der Rosenrap besteht aus dem apostolischen Glaubensbekenntnis, den Gebeten Ehre sei dem Vater und Vaterunser, drei Ave Maria, einem weiteren Ehre sei dem Vater und anschließend 50 Ave Marias, in Zehnergruppen, die "Gesätze“, gegliedert.

Jedes Gesätz wird eingeleitet mit einem Vaterunser - an der großen Perle - und abgeschlossen mit einem Ehre sei dem Vater. Der Katechismus sieht auch ein eigenes Schlussgebet vor, beendet von einer Marianischen Antiphon, einem an die Gottesmutter gerichteten Gesang.

Das seltsame Wort "gebenedeit“ ist das Partizip Perfekt des Verbs benedeien, eine Entlehnung aus italienisch benedire, das seinerseits auf lateinisch benedicere, gutreden, segnen zurückgeht. Eine Gebenedeite ist also eine Frau, über die man gut spricht. Das Gegenteil kennen wir auch: maledeit.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige