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Modellsitzen für die altdeutschen Meister

Lexikon | aus FALTER 21/11 vom 25.05.2011

Die frühe Porträtkunst der deutschen Malerei war noch nie Gegenstand einer größeren Ausstellung. Das Kunsthistorische Museum macht sich nun in Kooperation mit der Hypo Kunsthalle München daran, diese Lücke zu schließen. Die Schau "Dürer - Cranach - Holbein. Die Entdeckung des Menschen: Das deutsche Porträt um 1500“ würdigt ein Kapitel der Bildnismalerei, das von den Meisterwerken italienischer und altniederländischer Malerei zu lange in den Hintergrund gedrängt wurde. Die drei wichtigsten deutschen Künstler der angehenden Renaissancezeit verstanden sich vor allem auf die authentische Wiedergabe einer Person. Die Ausstellung umfasst aber nicht nur Gemälde, sondern auch Skulpturen, Münzen und grafische Werke, mit denen herausragende Porträts geschaffen wurden. Leihgaben aus europäischen und amerikanischen Sammlungen ergänzen die Bestände aus Wien. Anhand der ausgewählten Abbilder sollen nicht nur die Unterschiedlichkeit der drei prägenden Malerpersönlichkeiten vorgeführt werden, sondern auch die sozialen Verhältnisse in der spätmittelalterlichen Gesellschaft, in der sich Adel und Hochbürgertum über Auftragskunst zu profilieren suchten. Während Albrecht Dürer das Erhabene und Idealisierte anstrebte, ging es Lucas Cranach d. Ä. um die möglichst schlichte, aber dennoch subtile Menschendarstellung. Als Hofmaler unter dem englischen König Heinrich VIII. strebte Hans Holbein d. J. wiederum in höfischen Porträts wie dem Bild der späteren Königin Jane Seymour nach größtmöglicher Wirklichkeitsnähe in der plastischen Darstellung von Raum und Körper. Die Schau stellt auch die Frage nach dem stilbildenden Einfluss der Künstler und deren Umfeld. NS

Kunsthistorisches Museum, bis 4.9.


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