Neu im Kino

Vom Schwimmen, Kochen, Wünschen: "Jack in Love“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 21/11 vom 25.05.2011

Um das zu bekommen, was er sich wünscht, muss Jack es sich vorstellen. Wenn er also schwimmen lernt, steht er mitten in New York auf einer Autobrücke über dem dahinfließenden Verkehr und streckt die Arme nach vorn. Für die Frau, in die er sich verliebt hat und für die er gerade kochen lernt, steht er mit geschlossenen Augen am Herd und bewegt den Pürierstab wie ein Dirigent den Taktstock. Denn für Jack ist alles eine Frage der Vorstellungskraft, und das gilt auch für seinen größten Wunsch - mit Connie im Sommer im Central Park Boot zu fahren.

"Jack Goes Boating“ ist ein an Cassavetes angelehntes Stück von Bob Glaudini, das vor ein paar Jahren bereits in beinahe derselben Besetzung als Off-Broadway-Inszenierung zu sehen war. Nun führt Philip Seymour Hoffman in einer für ihn typischen Hauptrolle das aus Amy Ryan, John Ortiz und Daphne Rubin-Vega bestehende Ensemble auch als Regisseur an.

Langsam begleitet der Film die beiden unterschiedlichen Paare, die im Laufe der Erzählung ebenso unterschiedliche Wege einschlagen. Das liegt auch an dem für ein New Yorker Beziehungsdrama ungewöhnlichen sozialen Milieu: Jack, der sensible Reggae-Fan mit Dreadlocks, arbeitet als Limousinenchauffeur, die ebenfalls schon etwas ältere und vom Leben enttäuschte Connie bei einem Bestattungsunternehmen.

Man merkt sehr deutlich, dass Hoffman als Regisseur für keine inszenatorischen Extravaganzen zu haben ist, was der bedächtigen Grundstimmung entgegenkommt, mitunter aber eine gewisse Schwerfälligkeit mit sich bringt. Die Liebe gönnt dieser Film jedenfalls nur jenen, die hartnäckig an sie glauben, an sich arbeiten und auch Schwimm- und Kochkurse belegen.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Admiral)


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