Vor 20 Jahren im Falter  

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 21/11 vom 25.05.2011

So bin ich nu

Die Volksbefragung zum Thema Expo und Kraftwerk Lobau brachte eine Antwort, die alle verblüffte. Bis auf die FPÖ. Das Volk sprach sich gegen die gemeinsam mit Budapest geplante Weltausstellung aus, wünschte aber das Donaukraftwerk. Die Wiener hätten "die Chance auf eine wirkliche Führungsrolle in Europa aufgegeben“, sagte der erboste Bürgermeister Helmut Zilk. Heute pfeifen sie auf so was ohnehin.

Politisch stellte sich auch die Frage nach einer erneuten Kandidatur Kurt Waldheims. Ich schlug vor, Fred Sinowatz gegen ihn aufzustellen: "Stellt den Burgenländer auf! Nur ein Lügner kann einen Lügner besiegen (…) Nur der gute Lügner - der, der vor Gericht gelogen hat, weil er nicht zugeben wollte, das er vorhatte, den bösen Lügner zu entlarven - ist dem bösen Lügner, der Tatsachenverdrehen zum staatstragenden Prinzip gemacht hat, gewachsen.“ Am Ende kandidierte keiner der beiden.

Viel Schönes gab es sonst im Falter, vor allem im Feuilleton. Friederike Mayröcker und Bodo Hell steuerten zwei Texte zum Thema Heimat bei, Alfred Pfabigan würdigte Bob Dylans 50. Geburtstag mit einem "Plädoyer für einen Verräter“. Wolfgang Zinggl porträtierte die Videokünstlerin Friederike Pezold, Christa Blümlinger sprach mit Filmer Harun Farocki.

Bei einem Doppelporträt bleiben wir hängen. Salome Reiser interviewte den Pianisten Tzimon Barto, Thomas Mießgang den deutschen Sänger Herbert Grönemeyer. Sympathisch, was der über die Parodie "Grönemeyer kann nicht tanzen“ sagte: "Es is’ nich’ so, dass ich sage: Au Klasse, endlich sacht’s mir mal einer, aber das Lied hat in sich ’ne Bissigkeit und ’ne Bösartigkeit, die nich’ so verschlabbert is’, sondern die richtig Kraft hat.“ Ob er die Kritik an seinen Performerqualitäten berechtigt finde? "Ich behaupte ja nich’, dass ich Nurejew bin (…) Ich versuch’, mich auf der Bühne zu bewegen, wie ich mich halt nu bewegen kann. Und wenn man das als trampelich oder tanzbärhaft ansieht, ist das in Ordnung. Aber so bin ich nu mal.“ AT


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