Kommentar  

Plagiator Hahn: ein Doktor und EU-Kommissar in Erklärungsnot

Plagiatsdebatte

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 21/11 vom 25.05.2011

Er hätte es so leicht gehabt, im Jahr 2007. "Liebe Leute“, hätte der Wissenschaftsminister sagen können, "ich habe als Student schlampig gearbeitet. Damals war ich zwar karrierebewusst, aber noch kein Politiker. Ich habe, so wie viele Dissertanten, aus neun Büchern ein zehntes geschrieben. Nicht in betrügerischer Absicht, sondern weil ich mein lästiges Studium schnell abschließen wollte. Wer frei ist von Schuld, werfe den ersten Stein.“

Johannes Hahn hat einen anderen Weg gewählt. Er diskreditierte seinen schärfsten Kritiker, den Plagiatsexperten Stefan Weber, und denunzierte ihn als Intriganten. Das war übler Machtmissbrauch eines Ministers.

Weber hatte damals schon gerochen, was er heute belegen kann: Hahn hat seine Dissertation auf erstaunlich vielen Seiten abgeschrieben, ohne die Quellen korrekt zu zitieren. Er täuscht seine Leser. Und er schmückt sich mit fremden Edelfedern (siehe Bericht Seite 14).

Heute wiegt Hahns Verfehlung schwerer als 2007. Ein Fehler wird nicht besser, indem man ihn verteidigt und den Kritiker zur Schnecke zu machen versucht.

Hahns Fall spielt jetzt auch vor der Kulisse der Affäre Guttenberg. Der deutsche Verteidigungsminister hat nicht nur sein Amt zurückgelegt, sondern auch seinen Titel verloren. Deutschland hat vorgezeigt, wie man Konsequenzen zieht.

Hahn muss seine Verfehlung nun auch vor der europäischen Öffentlichkeit ausbaden. Sein "nobody is perfect“ wird nicht reichen.

Auch die Uni Wien wird die Plagiatsaffäre nicht mehr wegdrücken können wie früher. Es geht diesmal um mehr als um Hahn. Es geht um die Glaubwürdigkeit der Institution.


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