Ein Gespenst geht um in Europa

Politik | aus FALTER 21/11 vom 25.05.2011

Auf europäischer Ebene ist die Solidarität zusammengebrochen, auf nationaler steckt sie in der Krise. Was nun?

Essay: Philipp Blom

Wir sind Dominique Strauss-Kahn so dankbar. Mitten in einer monate- und jahrelangen Agonie der Diskussionen in einer erweiterten EU, in der wir längst vergessen haben, worüber wir eigentlich sprechen, haben wir endlich wieder die Gelegenheit zu sagen: So nicht, nicht bei uns, wir sind anders.

So können sich europäische Kommentatoren in gerechter Empörung über US-Medienjustiz vereinen, in gemeinsamer Abscheu gegen öffentliche Prüderie und demütigende Rituale vom perp walk bis zur Veröffentlichung von Gerichtsfotos, die so nie in Europa vorkommen könnten. Wir tun das nicht, bei uns gelten Unschuldsvermutung und Menschenwürde noch. Europa zieht sich auf Werterhetorik zurück.

Wie robust die Unschuldsvermutung in Europa ist, hat sich gezeigt, als DSK schon am Tag nach seiner Verhaftung und bei noch völlig unklarer Faktenlage von europäischen Medien und


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