Enthusiasmuskolumne  

Das Leben ist ärger als jedes Script

Diesmal: Die beste Promi-Abrechnung der Welt der Woche

Feuilleton | Ingrid Brodnig | aus FALTER 21/11 vom 25.05.2011

Lindsay Lohan ist das Enfant terrible Hollywoods. Neben ihr wirkt Partygirl Paris Hilton fast wie ein katholisches Schulmädchen, so oft wurde die Schauspielerin betrunken am Steuer ertappt, und so viele Peinlichkeiten aus ihrem Leben kennt man.

Die 24-Jährige ist eine unverbesserliche Skandalnudel und gleichzeitig ein Opfer der Medien. Wie wird man so jemandem gerecht? Indem man nichts Neues erfindet, sondern einfach die Geschichte Revue passieren lässt - wie das die Künstler der Theatergruppe La Mama kürzlich in New York gemacht haben: In "Project: Lohan“ erzählen sie nur, was in Polizeiprotokollen, Gerichtsakten, Zeitungsartikeln, Fernsehauftritten, Pressemitteilungen oder Twitter-Nachrichten gesagt wurde.

Die sechs Darsteller schlüpfen in unzählige Rollen, mal kommt ein Ex-Boyfriend auf die Bühne, dann Meryl Streep. Lohan selbst wird von einem Mann im Drag-Kostüm gespielt; der großartige Hauptdarsteller D’Arcy Drollinger hat das Stück geschrieben. Vieles ist zum Lachen, etwa wie sich Lohan mit Erzfeindin Paris Hilton zankt und permanent das Wort "cunt“ fällt, aber nicht alles ist Klamauk.

Im Schnelldurchlauf werden die Skandale und Tiefpunkte des gefallenen Stars abgehandelt. Zum Schluss ist auch die Agentin der Schauspielerin ratlos und sagt: "No comment“ - ab 17. Juni muss Lohan in den gerichtlich angeordneten Hausarrest.

"Project: Lohan“ war bisher leider nur in New York zu sehen. Das Format ließe sich jedoch auch auf heimische Promis ummünzen: Man muss nur den komprimierten Wahnsinn wiedergeben, der Tag für Tag in der Zeitung steht. Wie viel davon wahr ist und was das über die Promis aussagt, bleibt dem Publikum überlassen.

Nur eines ist im Fall Lindsay Lohan offensichtlich: Manchmal schreibt das Leben respektive der Boulevard die besten Geschichten. Wie heißt es zu Beginn des Stücks so treffend: "Im Ernst, erfinden kann man so etwas nicht!“


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