Fußball 

Jugend ohne Gott: Ist Rapid noch eine Religion?

Glosse

Stadtleben | aus FALTER 21/11 vom 25.05.2011

Wolfgang Kralicek über den Kirchensturm von Sankt Hanappi

Das Gerhard-Hanappi-Stadion in Wien-Hütteldorf wird von dem dort beheimateten Fußballverein seit einigen Jahren als "Sankt Hanappi“ zum Wallfahrtsort stilisiert. Ein Marketing-Gag, der sich auf einen unter Anhängern seit Jahrzehnten kursierenden Glaubenssatz bezieht: "Rapid ist eine Religion.“

Wenn das wahr ist, dann wurde letzten Sonntag, am Tag des Herrn, ein Gotteshaus geschändet. Vermummte Gläubige (= Fans) haben den Altar (= Spielfeld) gestürmt, die Priester (= Spieler) konnten sich vor dem Mob gerade noch rechtzeitig in die Sakristei (= Kabine) flüchten. Wenn Rapid wirklich eine Religion ist, dann haben seine Fans irgendetwas gründlich missverstanden. Gott ist unfehlbar, und wenn uns Sterblichen das Schicksal einmal übel mitspielt, haben wir das in Demut hinzunehmen. Beten ist erlaubt, Singen auch. Drohungen und Gewaltakte nicht.

Die Fans sehen das anders. "Wir sind Rapid!“, behaupten sie selbstbewusst - und überschätzen


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