Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 21/11 vom 25.05.2011

Zwei Gerade, die sich in der Straßenbahn treffen

Gespräche in Straßenbahnen sind auch diese Woche wieder ein reichhaltiger Themenschatz, vor allem, wenn es um Mode- und Freizeittrends geht, die endlich auch ihren Weg zu uns gefunden haben, wovon wir uns selber sonntagnachmittags am Fensterbrett überzeugen können: Planking ist der nächste heiße Scheiß. Billiger als Surfen, gefährlicher als Bungee und youtubetauglicher als Schach, bezeichnet es das steife Liegen auf irgendwelchen Gegenständen oder eben Balkongeländern, Fensterbänken usw. Jetzt, wo es (eh in Australien) ein erstes Todesopfer gefordert hat, ist es erst recht unaufhaltsam in aller Munde wie warme Semmeln, wie wir aus einer Analog-Unterhaltung von zwei ziemlich sicher TU-Studenten erfahren, die sich aber nicht so richtig gut kennen. Dann verabschieden sie sich mit lustigem kärntnerischem Gruß, der Klaus stellt sich ausstiegsbereit zur Tür, der Dani wendet den Blick straight aus dem Fenster, die Unterhaltung ist zu Ende, auch wenn sie jetzt noch (unerwartet wegen roter Ampel) eine ganze Minute nebeneinander stehen, wird sie nicht extra noch mal aufgenommen. Wir nennen sowas: peinlich. Noch peinlicher, wenn der Klaus draußen ist, der Dani nach wie vor verträumt zum Fenster rausschaut und die Umstehenden alle wissen, dass er sich im Samstagabendsuff drei Stunden lang mit seiner Cousine in Klagenfurt Planking-Videos angeschaut hat. Daniel hat Glück: ein Kind und ein Hund ohne Beißkorb stehen einander im Mittelgang gegenüber. (To be continued)

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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