Fragen Sie Frau Andrea

Des Bischofs Amtsgebiet: Die Ozöse findet den Pfad

Kolumnen | aus FALTER 21/11 vom 25.05.2011

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

trotz einer gewissen Distanziertheit Ihrerseits zu URKK, die ich zu erkennen meine, oder gerade deshalb erhoffe ich von Ihnen die Antwort auf eine Frage, die sich mir immer wieder stellt. In Diskussionssendungen, Rundfunk- und Fernsehnachrichten oder Zeitungsartikeln fällt häufig das Synonym für Bistum. Es wird stets korrekt Diözese geschrieben. Nach meiner Beobachtung wird es von etwa 90 Prozent der Journalisten auch exakt so ausgesprochen, während ein etwa gleich hoher Prozentanteil der Kleriker, die es doch am besten wissen sollten, beharrlich Diozöse sagt. Handelt es sich um den Code einer ausgewählten Gruppe? Gehört Bischof Küng nicht dazu, im Gegensatz zu Kardinal Schönborn? Opus Dei unerwünscht? Vorarlberger ausgeschlossen?

Freundliche Grüße

und Dank im Voraus!

Edith Rager,

per Bernsteinfunkennachricht

Liebe Edith,

mit statistischen und verschwörungstheoretischen Daten zur Aussprache kirchenrechtlicher Ausdrücke innerhalb IRKK (Ihrer Römisch Katholischen Kirche) kann ich mangels fehlender Sozialkontakte mit dem Klerus nicht dienen. Gleichwohl teile ich Ihren Befund. Google kennt immerhin 41.800 Ergebnisse zum Stichwort "Diozöse“ und spuckt Links zur Katholischen Jugendfürsorge der Diozöse Augsburg aus, zum Pastoralamt der Diozöse Linz, findet Informationen zum Leitbild der Diozöse Eichstätt, berichtet über das Bischöfliche Jugendamt der Diozöse Mainz, die Pfadfinderinnenschaft St. Georg der Diozöse Essen, die "Internetpräsens“ der Diozöse Rottenburg-Stuttgart und den Caritasverband der Diozöse Limburg. Die Legasthenie bleibt nicht auf den deutschen Sprachraum beschränkt, so weiß die Weltsuchmaschine auch von der christlichen Diozöse Krishna-Godavari in Vijayawada und vom Tierarzt der Diozöse Ruaha in Tansania.

Schuld an der falschen Aussprache ist wohl die ungewohnte Vokalfolge des Wortes Diözese. Es bezeichnet das Amtsgebiet eines katholischen Bischofs und ist aus dem griechischen dioikesis (Haushaltung, Verwaltung) entlehnt - oikos ist das (Wohn-)Haus. Die Fehlvokalisierung durch die Kleriker dürfte der lateinische Begriff diocesis verursachen. Zu Lübien und Filmressischören demnächst.


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