Musiktheater  Kritik

Die Volksoperette des letzten Jahrhunderts

Lexikon | aus FALTER 22/11 vom 01.06.2011

Der nachmalige k.&k.-Militärkapellmeister Franz Lehár, aus Komorn stammend, studierte in Prag bei Zdenek Fibich und Dvorák, wurde schon von Brahms geschätzt, war mit Puccini befreundet und ist von Bártok und Schostakowitsch zitiert worden. In Wien gab es 1905 hintereinander Richard Strauss’ "Salome“ an der Hofoper und die Uraufführung von Lehárs "Die lustige Witwe“ im Theater an der Wien, die ein Serienerfolg sondergleichen wurde. Bereits 1907 war die Operette allein in Wien 400-Mal aufgeführt worden. Am Kaiser-Jubiläumsstadttheater, der nachmaligen Volksoper, dirigierte Franz Lehár selbst die 175. Aufführung, bis zu seinem Todesjahr 1948 zählte man weltweit 300.000 Aufführungen und etliche Verfilmungen (darunter von Stroheim oder Lubitsch). Von 1953 bis heute brachte es das Haus am Währinger Gürtel auf fast 900 Vorstellungen.

Nach Oscar Fritz Schuh, Otto Schenk oder Jerôme Savary inszeniert nun der oft an Holenders Staatsoper tätig gewesene Marco Arturo Marelli die siebente Neuproduktion im Haus am Gürtel. Sicher nicht die beste, aber keine schlechte - in praktikablen, zuweilen etwas verstaubt wirkenden Räumen und Kostümen enthält sie Klamauk, Revue, aber auch Ernsthaftigkeit. Hanna und Danilo, Valencienne und Camille sind gut besetzt, witzig auch Direktor Robert Meyer als Kanzlist Njegus. Muss man sich das geben? Man sollte es, wenn man das Stück noch nie ganz gehört und gesehen hat und die weltweite "Witwenepidemie“ des 20. Jahrhunderts begreifen will. Jedenfalls: Es gibt kein Musical, das annähernd ein solches Feuerwerk an Schlagern aufweist und so gut gearbeitete Musik, die auch Gustav Mahler schätzte. Titel gefällig? "Da geh ich zu Maxim“, "Ja das Studium der Weiber ist schwer“, "Ja wir sind es, die Grisetten“ "Vilja-Lied“, "Es waren zwei Königskinder“, "Lippen schweigen“. HR

Volksoper, Mi 19.00


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