Kunst Tipp

Hinter dem Samtvorhang des Malerfürsten

Lexikon | aus FALTER 22/11 vom 01.06.2011

In Paris wurden seine Gemälde verrissen, in Wien war er weltberühmt: Die Ringstraßenzeit war die Epoche von Hans Makart, dessen üppig ausstaffiertes Atelier unzählige Bewunderer anzog. Für die vom Historismus-Experten Ralph Gleis nun kuratierte Doppelausstellung haben Belvedere und Wien Museum ihre Bestände gebündelt. Der Kurator möchte die Beziehungen zwischen Künstler, Stadt und Gesellschaft aufzeigen und auf die tieferen Gründe für Makarts ungeheure Popularität eingehen. In der Selbstdarstellung des Malerfürsten lässt sich ein Modell für moderne Formen von Inszenierung und Starkult sehen.

Der 1840 in Salzburg geborene Künstler studierte erfolglos in Wien und malte konventionell in München, bevor er sich auf "Sensationsbilder“ verlegte. Triptychen wie "Die Pest in Florenz“ machten den Künstler schnell bekannt und trugen ihm eine Einladung des Kaisers ein, der ihm auf Staatskosten ein Atelier einrichtete. In diesem orientalisch verbrämten, mit Antiquitäten, Teppichen, Wandbehängen und eigener Kunst vollgestopften Studio veranstaltete Makart legendäre Feste.

Der Bewunderer von Rubens und Tizian pflog einen prunkvollen Stil, und das "Makart-Rot“ wurde auch jenseits seiner Malerei zu einem in der Mode und bei Einrichtungen gefragten Farbton. Selbst am Gesamtkunstwerk orientiert, malte der Wagner-Verehrer einen Bilderzyklus zum "Ring der Nibelungen“. Feine Damen der Gesellschaft saßen dem Künstler in Kostümen der Renaissance und Rubenszeit Modell. Als versierter Dekorationsmaler gestaltete Makart 1879 den Huldigungsfestzug zur Silberhochzeit des Kaiserpaares und entwarf auch viel für das Theater. Sein früher Tod im Alter von nur 44 Jahren bereitete dem Makart-Kult jedoch ein jähes Ende. NS

Belvedere & Wien Museum, 9.6. bis 16.10.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige