Kunst Kritik

Von Amsterdam nach Abu Simbel und Gizeh

Lexikon | aus FALTER 22/11 vom 01.06.2011

Es sind die drei Punkte am Ende des Ausstellungstitels "Brueghel, Rubens, Jordaens ...“, die die aktuelle Schau alter Meister im Liechtenstein Museum interessant machen. Die gezeigte Privatsammlung Hohenbuchau, die dem fürstlichen Museum 2007 als Dauerleihgabe überlassen wurde, hat nämlich weniger Kunst der drei bekannten Namen zu bieten als beste holländische und flämische Malerei des 17. Jahrhunderts von vielen unterschiedlichen Meistern. Die Ausstellung von 97 Gemälden bietet einen Querschnitt durch sämtliche Bildgattungen des Goldenen Zeitalters, wobei dem Stillleben mit all seinen Subgenres speziell Aufmerksamkeit gewidmet wird. Von Frans Snyders’ Prunkstillleben mit überbordenden Früchtekörben und hungrigen Tierchen bis hin zur schlichten Darstellung eines Krugs und von Rauchutensilien eines anonymen Künstlers reicht die Palette, drei Waldboden-Stillleben führen ins Unterholz. Großartig sind die Gemeinschaftswerke, wo etwa der Tiermaler Roeland Savery den Garten Eden seines Kollegen mit Fauna bevölkert. Jan Boeckhorst lässt eine schwarze Schönheit mit Ketten und weißer Venus im Diadem als "Allegorie Afrikas“ auftreten.

Als zweite Schau werden in der Bibliothek des Museums 57 Ägyptenansichten von Norbert Bittner (1786-1851) vorgestellt. Der Künstler schuf diese Federzeichnungen, ohne Afrika je bereist zu haben. Zur Zeit der durch Napoleons Feldzug ausgelösten Ägyptomanie griff Bittner auf französische und deutsche Stiche für seine bisweilen perspektivisch ungelenken Darstellungen zurück. Interessant werden die Blätter durch die fantasievollen "Verbesserungen“, die der Künstler gegenüber den Vorlagen vorgenommen hat. NS

Liechtenstein Museum, bis 20.9.


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