Kunst Kritik

Handlungsspielräume des Mittelstands

Steiermark | aus FALTER 22/11 vom 01.06.2011

Egal, was sich sonst zurzeit in den oberen Grazer Rängen an kultur- und personalpolitischem Zank und Hader so abspielt, für Sandro Droschl beweist die aktuelle Ausstellungskooperation zwischen seinem Kunstverein Medienturm und dem zweiten mittelständischen Kunstunternehmen vor Ort, dem Kunstverein rotor, dass Zusammenarbeit nicht immer destruktiv sein muss. Treffenderweise handelt die von Sabine Winkler kuratierte Ausstellung "Schon wieder und noch mal? Handlungsspielräume“ von den Normierungen, die unser Leben durch Verhaltensmaßregeln oder Rollenbilder bestimmen. Vom Knigge, den Ana Husman in ihrer pointierten Videoarbeit "Lunch“ vorexerziert, über die Analysen, die Carey Young und Marianne Flotron dem Präsentations- oder Entlassungstraining widmen, bis hin zur Welt im Konjunktiv eines Tagträumers in der Arbeit von Frank Westermeyer und Sylvie Boisseau oder den Rezitationen spätkapitalistischer Ratgeber in Beckettscher Manier bei Stefan Panhans. Der Kunstverein rotor hat darauf mit seiner Ausstellung "Der tägliche Aufstand“ reagiert und sich überlegt, wie aus dem Alltäglichen auszubrechen wäre. Er ist dabei nicht nur auf die "Chaosbilder“ von Manfred Willmann gestoßen, sondern auch auf die so erstaunlichen wie selten gezeigten Zeichnungen Ingo Abeskas, der seit Jahren Bilder aus Printmedien in Schulhefte abpaust und sie dabei in leicht verschobene, persiflierende Kontexte übersetzt. Und Elisabeth Schmirl hat die Vorlagen für ihre meisterhaft ausgeführten Bilder im Internet gefunden, hat sich angesehen, wie sich dort Menschen selbst darstellen, und die Porträts anschließend, teils maskiert, in fiktive Kulissen gestellt.

Vielleicht sollte der tägliche Aufstand nicht nur in der Kunst, sondern auch im Kunstbetrieb stattfinden. UT

Medienturm und rotor, bis 3. 9.


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