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Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 22/11 vom 01.06.2011

Als Massoud Rahbar den ersten Brief für den Falter frankierte, pressten die Redakteure ihre Texte noch mit kräftigen Zeigefingern in Schreibmaschinen. Eine Mauer teilte Berlin, ein Zaun Europa, und falls die Geschichten aus dieser anderen Zeit wahr sind, dann hatte Armin Thurnher damals langes Haar und ein Gespür für den Pass ins Loch.

23 Jahre ist es her, dass die beiden einander am Fußballplatz kennenlernten, im Kampf der Falter-Seleção gegen die Perser-Elf um den sogenannten Palästina-Pokal. Direkt vom Platz weg, so die Legende, soll der eine Spielmacher den anderen als Postbeauftragten engagiert haben.

Seitdem saß Massoud in seinem mit Bündeln und Stößen vollgeräumten Eckreich, gleich über der Stiege, wo jeder vorbeikam, der vom Redaktionsflügel in den Geschäftsführungstrakt wechselte. Ein Adoleszentenleben lang ging der Spross eines Prinzengeschlechts dort seinen Geschäften nach, die einerseits die Abwicklung der Post betrafen und andererseits den Aufbau der Demokratie in seiner zweiten Heimat neben dem Falter, dem Iran.

Massoud war der Typ Kollege, der das Büro betrat und ansatzlos anfing, den letztwöchigen Artikel fachkundig zu besprechen. Und wenn man ihm sagte, dass man ins revolutionäre Ägypten reisen würde, schaute er einen an, als sei man so jung wie er damals am Fußballplatz, als habe man noch viele Briefe abzuschicken.

Am vergangenen Donnerstag frankierte Massoud Rahbar den letzten Brief, umarmte den Spielmacher von einst und ging durch die Tür hinaus in Pension.


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