Mediaforschung

Frau Volk, warum sind die Wiener Mistkübel so goschert?

 Nachfragekolumne

Medien | Ruth Eisenreich | aus FALTER 22/11 vom 01.06.2011

Für Sie rund um die Uhr geöffnet“, "Ihre Papiere, bitte!“, "Gebaut nach dem Reinheitsgebot von 2009“. Ohne Sprüche wie diese sind die Wiener Mistkübel kaum mehr vorstellbar.

Dabei gibt es sie erst seit zwei Jahren: Im Jahr 2009 stattete die MA 48 die grauen Wiener Mistkübel zunächst mit einfachen orangen Banderolen und orangen "Lippen“ (die Bereiche rund um die Öffnung des Mülleimers) aus und rief schließlich unter ihren Mitarbeitern einen Mistkübel-Spruch-Wettbewerb aus.

Über 30 Slogans - je zur Hälfte von den Mitarbeitern und von der Werbeagentur Unique erfunden - durfte die Öffentlichkeit dann online abstimmen, die zehn besten kleben seitdem an den Mistkübeln und prägen das Stadtbild. Noch immer würden Lobschreiben für die witzigen Sprüche eintrudeln, erzählt Ulrike Volk, Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Produktmanagement der MA 48; aufgeregt über die kecken Mistkübel habe sich noch niemand.

Abgesehen vom Belustigungseffekt: Machen Sprüche auf Mistkübeln die Stadt wirklich sauberer? Ja, sagt Volk, denn sie würden Aufmerksamkeit erzeugen und die Botschaft, "Es gibt so viele Mistkübel - verwendet sie!“, vermitteln.

Die Humboldt-Universität Berlin habe in einer wissenschaftlichen Studie in mehreren Städten verglichen, wie häufig unterschiedliche Mülleimer genützt werden, erzählt Volk. Das Ergebnis: Auffällige Mistkübel würden schneller voll als unscheinbare; auch liege in ihrer Umgebung weniger Müll auf der Straße.

Die Sprüche an den Wiener Mistkübeln werden uns daher noch länger erhalten bleiben, neue Sprüche sind aber nicht geplant. Ulrike Volks persönlicher Lieblingsspruch ist übrigens "Schau net weg, hau eine dein Dreck“.


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