Verdis Rigoletto scheitert tragisch. Luc Bondys Inszenierung bei den Festwochen eigentlich auch

Feuilleton | Musiktheaterkritik: Heinz Rögl | aus FALTER 22/11 vom 01.06.2011

Mit "Rigoletto“ eröffnen die Festwochen einen Zyklus von drei Verdi-Opern, die in der Folge jeweils auch an der Met und an der Mailänder Scala gezeigt werden. Der israelische Jungstar Omer Meir Wellber steht am Pult, Intendant Luc Bondy inszeniert, der georgische Bariton George Gagnidze gibt den Titelhelden.

Für Bondy, der in Rigoletto einen Verwandten von König Lear sieht, ist er ein "Monstrum“ - belacht, verspottet, betrogen -, das auf der ganzen Linie scheitert.

Gescheitert ist allerdings auch seine Inszenierung, die Verdi und das für die österreichische Zensur adaptierte Libretto Francesco Maria Piaves (nach Victor Hugo) 1:1 nach den Intentionen seiner Schöpfer umsetzen will. Ein "Opernmuseum“ wurde daraus; monströs und blutbefleckt endet es wie ein Schauerdrama (das der schwächere 3. Akt ja von Haus aus ist).

Die Umsetzung im Orchester (RSO Wien) sollte präzise und mustergültig geprobt wirken, war aber ohne wirklichen Animo. Wackeleffekte mit dem (Schönberg-)Chor, auch einige dynamische Balance-Unstimmigkeiten dürfte es bei einer Festwochen-Aufführung eigentlich nicht geben.

Bondys Personenführung ist überzeugend, er hat im ersten Teil sehr gute Ideen. Der Hofnarr etwa, zynischer Assistent der amourösen Abenteuer des Herzogs, nimmt die Perücke ab, wenn er zu seiner abgöttisch geliebten Tochter nach Hause geht. Soeben vom Grafen Monterone verflucht, entpuppt er sich als Mensch, der sich selbst erkennt, seine Ängste und Emotionen glaubhaft zeigt.

Seine Monologe und auch das Racheduett mit Gilda (Chen Reiss) sind die Höhepunkte des Abends. Die beiden vor allem machten ihn hörens- und auch sehenswert. Ja, das ist bester Verdi! Der Herzog dagegen wird als machistischer Angeber vorgeführt, dem man kein Wort seiner Liebesschwüre und narzisstischen Selbstbespiegelungen glaubt.

Termine: 1., 3. und 5.6., Theater an der Wien


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