Prost!

Hier wurde ein Radler in die Welt gesetzt, den es lange geben wird

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Radler Johannisbeere

Stadtleben | aus FALTER 22/11 vom 01.06.2011

Die Schwarze Johannisbeere ist das absolute Multitalent unter den Früchten der Saison. Sie schmeckt leicht süß und hat eine entschlossen säuerliche Note, enthält viel Vitamin C, nimmt den internen Kampf gegen die drohende Hegemonie der freien Radikale auf sich und macht dabei noch eine erstaunlich gute Figur - sowohl was ihre runde und gleichzeitig rispenartige Form als auch ihre schwarze Schale betrifft, aus der bei Bedarf kräftiges Rot quillt.

Es ist daher ein strategisch guter Schachzug der Ottakringer Brauerei, ihr blondes Freundchen mit dieser reschen Maid zu vermählen. Und siehe da! Kaum zu glauben! Es wird halbe-halbe gemacht! Das Mischverhältnis von Bier und Limonade liegt bei 50:50, erfährt man. Was bei der Salzburger Firma Stiegl in Sachen Grapefruitradler Gegenstand der Kritik wurde (Falter 18/11), soll hier nicht weiter stören.

Aber warum ist das denn bloß so? Beim Öffnen der Flasche wird so einiges klar. Die fade und etwas aus den Fugen geratene Grapefruit kann es olfaktorisch mit diesem süßlich-holzigen Johannisbeergeruch nun wirklich nicht aufnehmen, obwohl - es stellt niemand in Abrede - sie eine sympathische Zeitgenossin unter den Früchten des Südens ist. Sich auf ganz - quasi - natürliche Art in den Vordergrund gehievt -, so schreitet Mr. Blond gerne hinter Mrs. Cassis einher, ohne dass er den Eindruck hinterließe, ein blöder Duckmäuser zu sein. Herbheit im Abgang - das ist seine gutturale Spezialität. Diese Verbindung wird noch lange halten. Santé. ms


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