Ins Mark

Der Wackel-Nagl

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 22/11 vom 01.06.2011

Man kann nichts sicher sagen. Das ist in eineinhalb Jahren, da kann ich an Lepra oder Typhus erkrankt sein. Aber ja, ich bin voller Kraft!“ So antwortete Bürgermeister Siegfried Nagl Anfang Mai in der Kleine-Sonntagszeitung G7 auf die Frage, ob er nun bei der Wahl 2013 als ÖVP-Spitzenkandidat antreten werde. Eben war bekannt geworden, dass er alles hinschmeißen wolle. Er gab das auch zu, inzwischen sei aber eh schon wieder alles gut. Nun ist es nichts Böses, auch als Politiker unschlüssig zu sein oder seine Meinung zu ändern. Das Grazer Stadtoberhaupt allerdings fällt in letzter Zeit so oft durch schwer nachvollziehbare Bocksprünge auf, dass man an allen seinen Ansagen zu zweifeln beginnt.

Bei der Murkraftwerks-Enquete erstaunte er mit der Rede vom "großen Gesamtirrtum“: "Es wird diskutiert, ob die Stadt Graz über ein Kraftwerk abstimmt oder nicht. Das wird niemals passieren.“ Graz habe da nämlich gar nichts mitzuplauschen. Dabei hatte doch Nagl die Idee, die Grazer dazu zu befragen, überhaupt aufgebracht. Schon zuvor hatte er bei dem Thema eine 180-Grad-Wende vollführt: Ende 2008 wetterte er über die geplanten vier Mur-Staustufen. Es sei "schlimm“, dass die Energiekonzerne nichts im Kopf hätten außer "wo können wir das nächste Kraftwerk hinstellen und wieder verdienen“. Dann kam Staustufe Nummer fünf - und Nagl als ihr glühender Befürworter.

Jetzt kursieren wieder Gerüchte: Nagl wolle Stadträte rauswerfen. Blödsinn, sagt er in der Kleinen: "Wir gehen mit diesem Team in die Wahl.“ Nachsatz: sofern sich nicht jemand privat anders entscheide. Das klingt verdammt danach, als würde in Graz demnächst die Lepra ausbrechen.

Gerlinde Pölsler leitet die Redaktion des steirischen Falter


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