Doris Knecht

Okay, in Wahrheit war es viel schöner

Selbstversuch

Kolumnen | aus FALTER 22/11 vom 01.06.2011

Kindergeburtstage sind jetzt einfach. Man schenkt den Kindern, was sie wollen, und sie verschwinden für Tage unter den Kopfhörern ihrer neuen iPods. Sie würden sie auch fürs Happy-Birthday-Singen und zum Geburtstagsessen nicht abnehmen, wenn ihre verkitschten, sentimentalen Eltern sie nicht dazu zwängen: Es ist euer Geburtstag! Lasst uns feiern! Die Mimis finden, dass es sich viel schöner und akustisch ansprechender feiern ließe, wenn man dabei Skero, den Fantastischen Vier, Gustav oder den dänischen Songcontestteilnehmern lauschen könnte statt dem langweiligen Geseier der alten Eltern, die langweilige Erinnerungen an ein ziemlich blutiges Ereignis hervorzerren, an das sich die Mimis weder erinnern können noch wollen. Mama, biiiitte.

Dafür ist man extra mitten in der Nacht von Salzburg zurückgefahren, wo man bei der Eröffnung des Literaturfestes las, um dann noch während der Veranstaltung zum Zug zu rennen, mit dem Hinweis, dass die Mimichens anderntags Geburtstag feierten und beim Aufwachen das Antlitz ihrer lieben Mutter zu sehen wünschten. Wünschten sie eh nicht, sie wünschten schön eingewickelte Packerln zu sehen und darin die verabredeten Geschenke, und sie wünschten den Kuchen zu sehen, den die Mutter (Wo ist das Schlagobers? Wieso gibt es kein Schlagobers?) vor Salzburg eilig gebacken, in rosa Zuckerguss getunkt, schön verziert, versteckt und dann um zwei Uhr früh auf dem Tisch platziert hatte, nicht ohne rundherum und oben drüber alle Insignien eines Kindergeburtstags zu verteilen und aufzuhängen.

Davor war ich mit Ryan Adams "Cherry Lane“ (so ein guter Song, immer noch) im eigenen Kopfhörer zurückgefahren, und hatte mich noch ziemlich lange über die netten Salzburger gefreut, die mir vor der Lesung in dieser doch recht einschüchternden Universitätsaula die Welle gemacht haben. Hej, das war super! Danke! Ich wachle hiermit enthusiastisch zurück.

Und auch das Kindergeburtstagsfrühstück war in Wahrheit viel schöner als eben behauptet, bis auf die etwas störenden Kopfhörer alles angemessen rührend, man herzte sich und sang und blies Kerzen aus, die sich in strahlenden Kinderaugen spiegelten, ganz, wie es sich gehört. (Man bereitet sich nur seelisch schon einmal auf Geburtstage vor, von denen die Brut ohne Dank auf der Geburtstagsvespa Richtung weniger fader Gesellschaft abzischen wird.)

Und später, am Nachmittag, bekam man die Chance, die Kinder mit einem weiteren Geschenk zu erfreuen, und nutzte sie, indem man sich im Badeschiff beim Fleisch-Fotoshooting kurz vor dem - danke noch einmal, kam sehr gut an - eh urzuvorkommenden Herrn Skero um zwei Geburtstagsautogramme erniedrigte. Bevor man dann in einem langen, gelb-weißen Kleid und mit Taucherbrille Fotograf Peter Rigaud umschwamm ... Aber das erzähle ich vielleicht nächstes Mal.


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