Festwochen Kritik

Rimini Protokoll bohrt nach Erdöl und Biografien

Lexikon | aus FALTER 23/11 vom 08.06.2011

Die letzte Position im Schauspielprogramm dieser Festwochen ist die aktuelle Produktion des Berliner Regieteams Rimini Protokoll, das mit seinen - auch bei den Festwochen immer wieder gezeigten - Arbeiten eine neue Form dokumentarischen Theaters geschaffen hat. Beim Rimini Protokoll stehen keine Schauspieler, sondern sogenannte "Experten des Alltags“ auf der Bühne - also Laien, die über sich selbst oder ihr Spezialgebiet sprechen. Die Kunst der Riminis besteht darin, die zu einem Thema recherchierten Fakten und die dazu engagierten Experten so zu montieren, dass am Ende doch noch Theater dabei herauskommt.

Das neue Stück, ein Soloprojekt des Rimini-Mitglieds Stefan Kaegi, heißt "Bodenprobe Kasachstan“, wobei der Titel doppeldeutig zu verstehen ist. Die Aufführung beginnt zwar mit einem deutschen Ingenieur, der in Kasachstan nach Erdöl gebohrt hat, im Zentrum des Abends stehen aber weniger die Bodenschätze des flächenmäßig neuntgrößten Staates der Welt als die biografischen Wurzeln, die eine Gruppe von in Deutschland lebenden Menschen dort haben: der in Kasachstan aufgewachsene Heinrich Wiebe; Helene Simkin, eine andere "Russlanddeutsche“ aus Kasachstan, die jetzt am Flughafen Hannover arbeitet; die junge Tadschikin Elena Panibratowa, die unter anderem als Table-Tänzerin jobbt, und der junge kasachische Geschäftsmann Nurlan Dussali, der Solaranlagen verkauft.

Die Energie und die Wirtschaft, Deutschland und Kasachstan: Aus diesen Koordinaten besteht die Dramaturgie dieses Abends. Anders als in den besten Arbeiten vom Rimini Protokoll gelingt es hier aber nur bedingt, aus den Fakten szenischen Mehrwert zu schöpfen. WK

MQ, Halle G, Mi, Do 20.30 (bis 18.6.)


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