Kritik

US-Moderne in Punschkrapferlrosa

Lexikon | aus FALTER 23/11 vom 08.06.2011

Der amerikanische Künstler Stephen Prina kann getrost als Artist’s Artist bezeichnet werden, der für viele Kollegen einflussreich war und ist. Dieses Prädikat gilt aber auch umgekehrt: Prina greift selbst immer wieder auf Arbeiten anderer Künstler zurück und verarbeitet diese.

Waren in der Vergangenheit häufig musikalische Einflüsse für den auch als Komponisten tätigen Kalifornier wichtig, so liefert er in der Secession eigenwillige Hommagen an zwei Größen aus Architektur und Malerei. Auf Einbaumöbel von Rudolf Schindler geht die zentrale Installation "As He Remembered It“ im Hauptsaal zurück, bei der extra angefertigte Sperrholzmöbel in penetrantem, schlampig aufgetragenem Pink zu sehen sind.

Die Idee basiert auf folgender Anekdote: Prina hat vor vielen Jahren einen Schindler-Stuhl gesehen, den die Ex-Frau des Architekten respektlos in besagtem Farbton gestrichen hatte. Die nun gezeigten Regale, Sitzbänke, Sideboards und so weiter stammen aus zwei Schindler-Häusern, die heute nicht mehr stehen.

Dementsprechend viel Arbeit war die Rekonstruktion aufgrund von erhaltenen Plänen und Fotografien. Da es sich um deplatzierte Einbaumöbel handelt, wirken sie unabgeschlossen und offen. Der 1954 geborene Künstler erklärte, dass es ihm um "Prinzipien der Übersetzung“ gehe, wobei auch das prozessuale Abändern von ursprünglichen Vorhaben eine wichtige Rolle spielt. Ergebnis ist das Porträt einer soften Moderne, deren Formensprache nicht über alles hinweggeht.

Viel kryptischer bleibt hingegen die Serie "Exquisite Corpse: The Complete Paintings of Manet“, bei der sich Prina mit den Größenverhältnissen und Ordnungssystemen von Malerei beschäftigt. Warum er diese einfarbig mit Wasserfarben "wiederholt“, bleibt offen. NS

Secession, bis 21.8.


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