Neu im Kino

"X-Men“, a First Class Kick-Ass

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 23/11 vom 08.06.2011

Go fuck yourselves!“, sagt ein Feschak mit fettiger Fiftiesfrisur, der nicht für die mutantische Sache rekrutiert werden will. Mit ihm haben Professor Charles Xavier und Erik Lehnsherr, Eisenbieger noch ohne Beinamen Magneto, den falschen Mann zur falschen Zeit kontaktiert. Vor allem ist Wolverine - so heißt er, und Hugh Jackman spielt ihn - hier im falschen Film: Einen Kurzauftritt lang kreuzt "X-Men Origins“ (jenes Prequel zur Superheldenfreakteamcomicsagatrilogie, das 2009 Wolverines Biografie vom Kolonialamerika über Vietnam bis zum Reaktorunfall von Harrisburg verfolgte) die Erzählwege von "X-Men: Erste Entscheidung“. Irgendwann, im X-Men-Film des Jahres 2000, werden sie wieder vereint sein: der mürrische Wolf wie auch Professor X und Magneto als rivalisierende Mutantenführer (uneins, ob Anerkennung oder Aufstand das Ziel ist) und andere Spezialbegabte, die die Normalmenschheit ausgrenzt und verfolgt. Jetzt ist erst einmal Kalter Krieg, Kubakrise 1962; in inneren und äußeren Kämpfen finden Freaks zu einer Entscheidung, einem Look, Namen und Ethos: Mutant and proud!

Die Regie von Matt Vaughn ("Kick-Ass“) verliert sich nicht allzu sehr in Materialschlachten, geht oft gut mit Oberflächen, Gadgets und Enthüllungen um und prägt ein starkes Bild für die Verschlingung traumatischer Vor- mit politischer Zeitgeschichte: Das X, das Mutation als offenes Schicksal bezeichnet, ist, als Rückseite einer Münze, die Wendung jenes X mit Haken, das Hakenkreuz heißt. "X-Men First Class“ (O-Titel) verfolgt Magnetos Herkunft - neuerlich - ins Vernichtungslager zurück, wandelt James McAvoy vom Sonnyboy zum Role-Model im Rollstuhl, lässt Michael Fassbender als Nazijäger Deutsch reden (Hallo, Inglourious Basterds!) und im Finale ein U-Boot und besagte Münze in Zeitlupe schweben.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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