Ohren auf  

Zu Hause fünf Stunden lang den Dub steppen

Sammelkritik

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 23/11 vom 08.06.2011

Als Clubphänomen hat sich Dubstep als erstaunlich langlebig erwiesen. Für Heimhörer gleicht die Suche nach geeigneten Wohnzimmer-Soundtracks immer noch der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. In puncto Musikalität und Ausdruck stellen die beiden Alben von Ausnahmeproduzent Burial bis heute einsame Höchstleistungen dar. James Blake machte zuletzt sinnfällig vor, wie sich Brücken zu intelligentem Pop bauen lassen, kappte dafür aber mehr oder weniger die Verbindung zum Mutterschiff. Mount Kimbie wiederum veröffentlichten ein Album zum Liebhaben, aber ohne den rechten Biss.

Ganz anders der Übervater der Szene. Steven Goodman alias Kode9 treibt diese seit Jahren als Sprachrohr wie als Betreiber des Hyperdub-Labels an. Und mit seinen Produktionen, die Sonic Fiction und Dub-Wurzeln einen, steht er auch als Macher an vorderster Front. "Black Sun“ (Hyperdub), sein zweites Album zusammen mit Brummbass-Vokalist Stephen "Spaceape“ Gordon als Kode9 & The Spaceape, dekliniert Dubstep in all seinen Facetten von schroff bis housig fehlerfrei durch. Und das Kunststück gelingt: Die einzelnen Tracks entfalten auf dem Dancefloor ihre Wirkung, und das Album als Ganzes funktioniert ebenfalls ausgezeichnet.

Hyperdub sticht aus der Masse an Dubstep-Labels raus. Zwei andere mit "H“ beginnende Häuser mischen jedoch als freundschaftliche Konkurrenz vorne mit. Hessle Audio galt zuletzt als die angesagteste Adresse, die umfassende Doppel-CD-Werkschau "116 & Rising“ liefert das Beweismaterial dafür. Durch die Bank erstklassige ältere wie brandneue Stücke von Produzenten wie Untold, Pearson Sound oder Elgato in schlüssiger Abfolge untermalen das moderne Leben trefflich; James Blakes "Give a Man a Rod“ ist als besonderes Schmankerl in einer exklusiven Version vertreten.

Auch gut: die Doppel-CD "Back and 4th. A Hotflush Compilation“ auf Hotflush, wo sich u.a. Boxcutter, Scuba, Falty DL oder eben Mount Kimbie die Ehre geben. In Summe ergibt das fünf Stunden guten Stoff für den Heim-Mini-Rave.


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