Kontinentalverschiebung kann auch Kunst sein

Steiermark | Herwig G. Höller | aus FALTER 23/11 vom 08.06.2011

Zeitgenössische Kunst als Weltvermessung im Kunsthaus

Lange Zeit war man bloß das Landesmuseum gewesen. Erst seit September 2009 nennt sich der wichtigste steirische Kulturtanker Universalmuseum Joanneum und versucht bisweilen, dem neuen Titel auch programmatisch gerecht zu werden.

Die von Katrin Bucher Trantow und Peter Pakesch kuratierte Ausstellung "Vermessung der Welt" darf diesbezüglich als ambitionierter Versuch gewertet werden: Sie zeigt, wie zeitgenössische Künstler die Welt vermessen, eine Beschäftigung, der sonst üblicherweise Wissenschaftler nachgehen. Allgemeingültige Zugänge sind und bleiben den Künstlern aber fremd, der künstlerische Fortschritt geht in keine eindeutige Richtung: ai wei wei formte in "Map of China" etwa aus Überresten eines buddhistischen Klosters die Landkarte des aktuellen China - aus offizieller Sicht seines Landes, inklusive Taiwan. Politisch völlig unumstritten ist hingegen eine Arbeit von rivane Neuenschwander, sie animiert darin die Verschiebung des Urkontinents Pangaea vor 250 Millionen Jahren. Ganz anders ein Beitrag von constantin Luser und Stefan arztmann, die nüchterne Grafiken aus einer Nazi-Enzyklopädie zu einem Animationsfilm zusammenfügten. Vermessung klingt zwar wissenschaftlich-neutral, kann aber auch ordentlich böse sein.

Kunsthaus Graz, Eröffnung Fr 19.00


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