Meinesgleichen

Warum die Türken auf Ursula Plassnik böse sind

Falter & Meinung | aus FALTER 23/11 vom 08.06.2011

Ursula Plassnik kämpft gegen das Veto der Türkei gegen ihre Bestellung zur OSZE-Generalsekretärin. Und sie fragt entrüstet nach der Begründung der Türken. Ich kann mit einem Fund aus der Tiefe meines Archivs helfen.

Dass Plassnik 2005 in Luxemburg für Österreich den Beschluss aller EU-Staaten blockiert hatte, mit der Türkei Beitrittsverhandlungen aufzunehmen, ist bekannt. Die keineswegs Schüssel-kritische NZZ schrieb von einem "unwürdigen Gefeilsche“ und merkte an, Plassnik spreche "für die Galerie“. Innenpolitischer Nebeneffekt: Plassniks Blockier-Show lenkte in Österreich davon ab, dass die ÖVP in der Steiermark die Landtagswahl verloren hatte. Ich schrieb damals: "Jedenfalls war es für den Bundeskanzler nicht unangenehm, in der, Report spezial‘-Sendung des ORF weltmännisch das tapfere Schneiderlein zu geben, das wieder einmal ein paar Riesen erlegt hat, statt über die gerade erlittene schmerzhafte Niederlage in der Steiermark zu reflektieren. (…) Die Tachtel der steirischen Wählerschaft klang im Kanzlerfunk wundersam wohltätig ab; dafür entstand das Bild des Kanzlers, der, wie er sagte, nicht gleich, vor Europa kapituliert‘. Wo solcher Provinzialismus regiert, braucht man sich über nichts zu wundern. Nur Schüssel wundert sich:, In Europa haben manche eine Österreich-Phobie, die ich gar nicht recht verstehe.‘ Wo könnte die wohl herkommen? Der unverständige Türke ist jetzt auch böse.“ Und er hat, wie sich zeigt, ein gutes Gedächtnis.

Quelle:

Falter Nr. 40/05 vom 5.10.2005


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