Jedem Massenmörder sein Buch

Politik | aus FALTER 23/11 vom 08.06.2011

Von "Anna Karenina“ bis "Kapuzinergruft“: Warum hegen Mladiæ und Konsorten eine Vorliebe für schöngeistige Literatur?

Essay: Erich Klein

Jedes Mal, wenn ein Massenmörder gefasst wird, schwankt die Welt. Es ist, als sollte das radikale Böse selbst gezeigt werden. Einst kroch Saddam aus seiner Höhle, nun wurde Ratko Mladic´ auf dem Bauernhof eines Verwandten gefasst. Selbst im Falle der übelsten Verbrecher drohen sich bei ihrer Verhaftung in der öffentlichen Wahrnehmung einen Moment lang die Fronten zu verkehren - der Täter wird zum "Opfer“; bis zur Erklärung, mit einem Prozess würde endlich den wirklichen Opfern Gerechtigkeit widerfahren.

Um das Publikum nicht ganz vor vollendete Tatsachen zu stellen wie im Fall der Tötung Osama bin Ladens, bedarf es allerdings zusätzlicher Bilder: Das Monster wird menschlicher. So erfahren wir etwa, Ratko Mladic´ habe im Belgrader Gefängnis nach Erdbeeren und Büchern von Tolstoj, Gogol und Turgenjew verlangt. Abgesehen vom extravaganten


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