Technik  

Warum das E-Book-Zeitalter doch noch anbricht

Dinge, die uns brauchen

Medien | aus FALTER 23/11 vom 08.06.2011

Prüfbericht: Thomas Vasek

Lehn dich doch einmal aus dem Fenster, sagen die Freunde. Schreib was über die nächste Killerapplikation. Über das nächste "große Ding“, das unser Leben verändern wird. Okay, ich mach es. Als Gadget-Kolumnist und vormaliger Chefredakteur eines Technologiemagazins steht man ja irgendwie in der Prophetenpflicht. Hier also meine Vorhersage, radikal und ungeschützt: Die nächste Killertechnologie existiert bereits. Es handelt sich um den E-Book-Reader Kindle von Amazon, beim Onlinehändler zu beziehen ab 140 Euro. Nun werden ein paar von ihnen denken: Häh? Sind E-Book-Reader nicht soooo was von unsexy, z.B. im Vergleich zum iPad? Und überhaupt, gäääähn: "Das Ende des gedruckten Buchs“ - wie oft haben wir das schon gehört! Stimmt alles. Und doch wird es diesmal anders.

In den USA verkauft Amazon bereits heute mehr E-Books als gedruckte Bücher. Und seit es neuerdings den deutschsprachigen Kindle-Store gibt, werden sich E-Books bei uns genauso durchsetzen. Dafür gibt es mindestens drei Gründe. Erstens, der neue Kindle 3 ist ein ziemlich ausgereiftes, vergleichsweise billiges Device mit vielen nützlichen Funktionen, von Such- und Anmerkungsfunktionen bis zum Wörterbuch. Zweitens, der Amazon-Service: In der empfehlenswerten 3G-Variante (189 Euro) lädt man sich die Bücher per Mobilfunk herunter - kostenfrei und egal, wo man sich befindet. Drittens, ein neues Geschäftsmodell: Autoren können leicht selbst E-Books erstellen und bei Amazon direkt publizieren.

Überhaupt wird das Angebot immer größer und preiswerter. Allein die Verfügbarkeit kostenloser Klassiker lohnt schon die Anschaffung: Nietzsche komplett für null Euro - das ist die Umwertung aller Werte.

Thomas Vasek ist Journalist und Buchautor in München


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