Stadtrand 

Wer baden geht, muss Wasser mögen

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 23/11 vom 08.06.2011

Nirgends lernt man den Wienmenschen besser kennen als in öffentlichen Verkehrsmitteln und in städtischen Bädern. Darum gehen wir hier noch einmal ins Freibad, das machen wir derzeit nämlich sehr oft. (Nein, die Lieblingsbadeanstalt wird nicht verraten!) Schon bei der Ausgabe der Kästchenschlüssel kommt es regelmäßig zu Staus. Weil der Wienmensch immens kompliziert ist. Überraschend viele Badegäste beharren auf Lieblingszahlen. "Nein, nicht die 113, die bringt mir Unglück.“ Oder: "Bitte ein Kästchen nicht so weit weg vom Fenster, sonst sehe ich doch nichts.“ Auch super: "Geben S’ mir bitte ein besseres Bändchen, das ist ja ganz ausgfranst.“ So Sachen. Also wirklich. Stellen sich an, als ginge es um den Erwerb einer Eigentumswohnung. Und was die für ein paar Stunden alles mitschleppen müssen! Sonnenschirme, Liegen, Polster, Kühltaschen, Verpflegung. Und Kleidung für eine ganze Woche. Man könnte ja in den Regen kommen und nass werden. Apropos: einen Gruß an die Dame, die sich beschwerte, man würde sie "nass spritzen“. Im 50-Meter-Becken!


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