Fragen Sie Frau Andrea

Pipi und Pippi auf Phi Phi Island

Kolumnen | aus FALTER 23/11 vom 08.06.2011

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

eine Junkfoodkette preist neuerdings ihre Produkte fett mit "pipifein“ an. Eine Bekannte verwendet es notorisch als Superlativ in ihren Reiseberichten, zur Betonung eines besonderen Settings oder auch im Zusammenhang mit Liebschaften. Und dann noch folgende Anekdote, die eine Freundin unlängst mit großer Empörung erzählte: Sie sollte als Gebärdensprachdolmetscherin "pipifein“ für einen (chauvinistisch angehauchten) Lehrerkollegen übersetzen, was sie jedoch verweigerte. Sie hat es als einen gewohnt obszönen Untergriff dieses Kollegen verstanden. Wir sind uns da nicht so sicher und sind entsprechend scharf auf Ihre Deutung.

Mit freundlichen Grüßen,

Raimund Kainz, Salzburg

Lieber Raimund,

ich teile Ihre Besorgnis über die inflationäre Verwendung von pipifein. Einen Teil unseres Unbehagens möchte ich der Bedeutungsunschärfe zuschreiben, die sich aus fehlerhaftem Einsatz der Partikel Pipi, Pippi, Piepi und Pee Pee ergibt. Pipi ist der französische Ausdruck für jene Körperflüssigkeit, die österreichische Zungen mit Lulu umschreiben. Deutschen gefällt das Wort Pipi, weil sie es eleganter finden als Pisse. Auch die Genitalien deutscher Kleinkinder werden Pipi genannt.

Pippi, au contraire, ist die Abkürzung von Pippilotta, dem Namen einer schwererziehbaren Kapitänstochter, bekannt aus den Romanen der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Piepi, hier kommen wir der Sache näher, ist der lautmalerische Zweisilber, mit dem wir das frisch geschlüpfte Hühnchen bezeichnen. Den Piepmatz, das Piepihendi, das Pieperl. Ein wohliges Nest, ein gemütliches Heim, die Mechanismen sorgenfreien Funktionierens nennt der bildungsferne Schichtler demgemäß piepifein, schreibt es aber falsch, nämlich pipifein. An diesem Befund ändert auch die Existenz des Sanitärproduktes "Pipifein“ nichts, eines trichterförmigen Reiseutensils, das Frauen den Segen stehenden Miktierens verspricht. To pee nennen die Anglosachsen schließlich das Entleeren der Blase. Pee Pee (Pi Pi) hingegen ist nicht das Lackerl, sondern die richtige Aussprache von Phi Phi, einer thailändischen Ferieninsel. Wie sich all diese Sachverhalte gebärdensprachlich vermitteln lassen, mögen Berufenere klären.


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