Ausstellung Vernissage

Rudolf Steiner: In Form gegossene Anthroposophie

Lexikon | aus FALTER 24/11 vom 15.06.2011

Es sollte ein organisch-plastischer Bau werden, der seine Weltanschauung und Lehre verkörpert: Als Rudolf Steiner Anfang der 1920er-Jahre das Goetheanum im Schweizer Dornach plante, ein Theater- und Konzertgebäude für die noch junge anthroposophische Bewegung, vermied er rechte Winkel. Noch radikaler entwarf der Lebensreformer das zweite Goetheanum - nachdem das ursprüngliche Gebäude abgebrannt war -, das als eine der ersten Sichtbetonbauten einer expressiven Ästhetik folgte.

Pläne und Fotografien der imposanten Architekturen werden nun in der Schau "Rudolf Steiner - Die Alchemie des Alltags“ im Mak gezeigt. Diese Wanderausstellung des Vitra Design Museums widmet sich umfangreich dem gestalterischen Schaffen des Reformdenkers und stellt die gezeigten Zeichnungen, Skulpturen, Modelle, Pläne, Möbel und Plakate in Kontext zu künstlerischen und gesellschaftlichen Strömungen seiner Zeit. Mit Dokumentationen, Filmen und Werken wird den Wechselwirkungen zu Wassiliy Kandinsky, Antoní Gaudí, Erich Mendelsohn oder Frank Lloyd Wright nachgegangen. Auch die Beziehung zu Wien spielt eine Rolle, hat Steiner hier doch von 1879 bis 1890 seine Studienjahre verbracht.

Das gestalterische Werk des Begründers der Walddorfpädagogik ist heute wenig bekannt, hat er sich doch aufgrund seiner Schriften einen Ruf als Esoteriker eingetragen. Im Kontrast dazu steht sein Einfluss auf die moderne Kunst und Architektur, die in der Ausstellung mit Arbeiten von Joseph Beuys, Olafur Eliasson, Herzog & de Meuron oder Konstantin Grcic veranschaulicht werden. In der Beschäftigung mit Wachstumsprozessen und organischen Formensprachen war Steiner ein Pionier, der gerade in Zeiten ökologischer Krisen wieder Augenmerk verdient. NS

Mak, Eröffnung Di 20.00; bis 21.8.


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