Buch der Stunde

Junger Mann, altes Fiasko

Lexikon | Erich Klein | aus FALTER 24/11 vom 15.06.2011

Mit der Ankunft des Dampfers Peter Stuyvesant im Amerika des Jahres 1907 beginnt das kuriose literarische Leben von Henry Roth (1906-1995). "Gejn wir wojnen do? In New York?“ heißt es am Anfang von "Nenn es Schlaf“, Roths Porträt einer aus Galizien stammenden jüdischen Familie in den Slums der Lower East Side von New York. Joyce und Proust waren mit ihrer Apologie von Alltag und Erinnerung Paten des 1934 gelobten, aber erst in den 60ern zum amerikanischen Jahrhundertbuch erklärten Romanerstlings. Die monumentalste Schreibblockade aller Zeiten ließ Henry Roth danach bis in die 90er-Jahre, bis zur Tetralogie "Die Gnade eines wilden Stroms“, verstummen.

Wie dort heißt der autobiografisch gefärbte Protagonist auch in "Ein Amerikaner“ Ira Stigman. Das posthum von einem Lektor aus Tausenden Manuskriptseiten zusammengesetzte Buch ist Roths offenherzigste Auseinandersetzung mit der eigenen Misere. Kurz nach dem Tod seiner Ehefrau und am Vorabend des Golfkriegs beugt sich der gichtkranke


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