Kunst Kritik

Geplantes Scheitern auf hohem Niveau

Steiermark | aus FALTER 24/11 vom 15.06.2011

Anlässlich des 80. Geburtstags des Theologen Philipp Harnoncourt stemmt das Kulturzentrum bei den Minoriten ein Mammutprojekt: "1+1+1=1 Trinität“ ist Titel eines von Harnoncourt initiierten und gemeinsam mit Freunden finanzierten Wettbewerbs, der in der Sparte Bildende Kunst rund 200, in der Sparte Literatur gar 400 Einreichungen zeitigte. Daneben wurden auch Kompositionsaufträge vergeben und ein Symposium ausgerichtet, das, ebenso wie die Preisverleihung nach dem Dreifaltigkeitsfest stattfinden wird. Johannes Rauchenberger, Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten, attestiert Harnoncourt eine gehörige Portion "Altersmut“, laufe er doch "sehenden Auges mit einem enormen persönlichen und finanziellen Einsatz in ein Projekt, das notwendig scheitern muss, hinein“. Gemeint ist damit kein mathematisches Scheitern, wie es der Titel nahe legen würde, sondern ein eher kunst- und niveauvolles. Schließlich braucht sich niemand um seine Seeligkeit sorgen, der in der Darstellung des grundlegendsten Mysteriums christlichen Glaubens versagt. Die Dreifaltigkeit auch nur ansatzweise zu begreifen, ist nicht ohne. Das zeigen auch die 18 vorab von einer Jury ausgewählten Positionen, die in einer Ausstellung im Kulturzentrum zu sehen sind. Die Zahl drei spielt bei ihnen natürlich eine zentrale Rolle: Sei es in Gestalt der drei Grundfarben wie bei Franz Sattler, sei es in Form dreier Quadrate, die sich erst aus einer konkreten Perspektive heraus ergeben, wie bei Joseph Marsteurer. Markus Wilfling hat das Geheimnis in die denkbar lapidarste Form übersetzt: "Wir sind da“ steht an die Wand geschrieben, wie auf einem Notizzettel. Einen Stock höher sind die nicht in die engere Wahl genommenen Arbeiten zu sehen. Und das Publikum ist, auch hier, aufgefordert, einen Publikumspreis zu küren. UT

Kulturzentrum bei den Minoriten, bis 24. 7.


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