Kunst Kritik

Zwei Inventare künstle-rischer Weltaneignung

Steiermark | aus FALTER 24/11 vom 15.06.2011

Mit den Arbeiten von Herbert Soltys ("The Sound of Music“) und der philippinischen Künstlerin MM YU ("inventory“) zeigt die Galerie Zimmermann Kratochwill zwei Positionen, die erst auf zweitem Blick gut zueinander passen. Dann aber ordentlich. Schließlich geht es in beiden Fällen um die Erstellung künstlerischer Inventare. Herbert Soltys hat in einen Raum der Galerie eine Kammer des Eingedenkens breitenwirksamer Bildproduktion gestellt. Deren Sujets reichen von der Anatomie des Dr. Tulp über diverse Künstlerselbstporträts bis hin zum letzten Obama-Wahlkampf und vergessen dabei auch das heimische Schuhplatteln nicht. Holzschnittartig sind sie auf ihre Grundlinien und auf Schwarzweiß reduziert, veranschaulichen ein Bildgedächtnis, das im Gegeneinander unterschiedlicher Kontexte zwar keine neuen Geschichten spinnt, aber doch den Hintergrund unserer Denkansätze veranschaulichen kann. Ebenso überlagern sich in einem zweiten Raum Figuren, die Soltys auf ihre Umrisse beschränkt hat, zu abstrakten Geflechten, die kein Ordnungsschema kennen, vielmehr mit der Perspektivität der Wahrnehmung zu spielen scheinen. Letztere wird auch in YUs Fotos und Malereien evident. In der Zusammenschau wird deutlich, dass die Farbenpracht der eng gewebten drip paintings auf Fotografien basiert, die, zu Alben geordnet, so etwas wie eine thematisch unterteilte Autobiografie der Künstlerin ergeben und dabei von der überästhetisierten Lebenswelt in Manila erzählen. Solche intuitiv wirksamen Einflüsse hat die Künstlerin auch quer durch die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts aufgedeckt, indem sie einen Bildband zerschnipselt und die losen Teile in Collagen neu gruppiert hat. Daraus wird ein neues Buch entstehen, dessen Erkenntniswert weit über so manche Ikonologie hinausgeht. Zumindest in Graz. UT

Galerie Zimmermann Kratochwill, bis 2. 7.


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