Kommentar  

Grasser einmal anders: nicht als scheues Wild, sondern als Jäger

Unschuldsvermutung

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 24/11 vom 15.06.2011

Karl-Heinz Grasser gilt als unschuldig, solange bis ihn ein Gericht überführt. Das steht in der Verfassung. Aber Grasser sagt, die Verfassung sei totes Recht. Denn er fühlt sich vorverurteilt. Eine Hetzmasse gehe gegen ihn los, wiegle die Justiz auf und vereitle solcherart ein faires Verfahren.

Grasser erwägt deshalb eine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Er werde vorverurteilt durch gehässige Politiker der "Jagdgesellschaft“, der Staat beschütze ihn zu wenig davor.

Fast könnte man Mitleid haben, mit dem selbsternannten "Löwen“, an dem nichts mehr stimmt, nicht einmal mehr die Frisur.

Und da meldet sich nun Ruth Elsner zu Wort, die energische Frau des verurteilten Bawag-Bankiers Helmut. Sie hat kein großes Mitleid mit Grasser, denn da war doch was. Ruth Elsner kramte im Archiv. Es ist ein entlarvendes Archiv, es zeigt Grassers eigenen Umgang mit der Unschuldsvermutung anderer.

APA-Mitteilung vom 4.7.2006: "Bundesminister für Finanzen Grasser: ‚Bei der Bawag handelt es sich um einen Kriminalfall wie einen Bankraub. Der Bawag-Vorstand hat gelogen.‘“

APA-Mitteilung vom 14.9.2006: "Bundesminister für Finanzen Grasser ‚ist froh‘ über Verhaftung Elsners.“

APA vom 15.9.2006: "Grasser: Alle Schuldigen sollen ‚mit voller Härte des Gesetzes bestraft werden‘. Die Bawag-Affäre sei ein ‚Kriminalfall ungeheurer Dimension‘.“

Ruth Elsner zeigt uns: Grasser teilt gern aus, aber steckt nicht gern ein. Zumindest keine harte Kritik. Vielleicht war das die entlarvendste Enthüllung über Grasser seit langem.


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