Schreiben oder Leben

Feuilleton | aus FALTER 24/11 vom 15.06.2011

Résistance-Kämpfer und KZ-Häftling, Emigrant und Kommunist, Minister und Schriftsteller: Jorge Semprún war eine Jahrhundertfigur

Nachruf: Sigrid Löffler

Immer wieder kommt Jorge Semprún in seinen Büchern auf eine Erfahrung zu sprechen, man könnte sie das zentrale Vermittlungsproblem seines Lebens nennen. Als 20-Jähriger, im Oktober 1943, geriet der spanische Bürgerkriegsflüchtling und Résistance-Kämpfer in Frankreich in die Hände der Gestapo, wurde gefoltert und ins KZ Buchenwald deportiert.

Nach 16 Monaten Lagerhaft kommt er im April 1945 nach Paris zurück und muss feststellen: Er ist ein Wiedergänger geworden, ein lebender Toter. Mit einem starken Gefühl von Unwirklichkeit sieht er seine Studentenfreunde von der Sorbonne immer noch in den Cafés sitzen und über Camus oder Sartre diskutieren, so, wie er sie im Sommer 43 verlassen hat.

Einige Bekannte begrüßen Semprún mit "Ah, Sie sind also wieder da!“ - so, als käme er von einer banalen Urlaubsreise zurück. Andere


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