Malerfürst und Modezar

Feuilleton | aus FALTER 24/11 vom 15.06.2011

Der Künstler Hans Makart übersetzte die Scheinmoral der Wiener Eliten in nekrophile Gegenwelten

Ausstellungsrundgang: Matthias Dusini

Das Treffen zwischen Hans Makart und Kaiserin Elisabeth in dem Atelier in der Gußhausstraße verlief nahezu wortlos. Der Malerfürst und die etwa gleichaltrige Monarchin verfielen in ein langanhaltendes Schweigen, das von ihr dann doch mit einer Frage beendet wurde: "Zeigen Sie mir jetzt Ihre Hunde?“

Von Makart ist nur der Pomp seines Kunstreichs in Erinnerung geblieben. Der Makart-Stil gilt als Synonym für den Horror Vacui der Ringstraßenzeit, als sich die Balken unter dem Dekor von Trockenpflanzen und Perserteppichen bogen und die Damen die Hüte und roten Farbtöne seiner Historienbilder imitierten. Die Figur Sisi warf dagegen den Bombast ihrer feudalen Umgebung ab und steht für die mittels Gymnastik, Tagebuchschreiben und Diäten eingeübte moderne Individualität.

Das Schweigen der beiden vereint mithin die Geschäftigkeit des Styleunternehmers und


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