Stadtrand 

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 24/11 vom 15.06.2011

Stell dir vor Tatütata und keiner schaut hin

Hören Sie das? Tatütata kreischt das Folgetonhorn irgendwo. Sehen Sie nicht? Blaulicht, Tatü-, Notfall, Rettung, Feuerwehr, -tata. Offenbar ist Wien schon so langsam, dass das keinen mehr aufregt. Keiner weicht aus, macht Platz. Wien ist eher so, wie Leserin K. unlängst am Yppenplatz beobachtete, dass man sich über den Lärm der Einsatzfahrzeuge aufregte. Ein Mann lag leblos am Boden, die Rettung querte das Marktgebiet und, schreibt Frau K., aus den hippen Yppen-Schanigärten hörte man murren: "Geht das nicht leiser?“ oder "Muss das sein?“ Ja, musste wohl sein! Oder der Autofahrer, der neulich mitten auf der Kreuzung hielt, hinter ihm ein Ambulanzwagen mit Blaulicht. Hält einfach, blockiert die Straße, lässt seine Gattin aussteigen, die seelenruhig noch was aus dem Kofferraum holt. Im Blaulichtlicht. Gibt’s doch gar nicht! Gibt’s schon. Schauen Sie doch mal, wie am Gürtel niemand Platz macht, wenn laut die Rettung naht. Wie Fußgänger über Zebrastreifen schleichen und Radler nicht ausweichen. Sie! Hallo! Hören Sie das nicht?


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