Kritik

Anmut, Akkuratesse und Memento mori

Lexikon | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Es handelt sich um das vermutlich älteste Einzelporträt nördlich der Alpen: Ein Prager oder Wiener Meister durfte Erzherzog Rudolf IV. um 1360/65 auf Pergament verewigen, das auf Fichtenholz appliziert wurde. Das maskenhafte Bildnis des "der Stifter“ genannten Habsburgers steht am Beginn der Schau "Dürer Cranach Holbein. Das deutsche Porträt um 1500“, mit der sich der Leiter der Gemäldesammlung Heinrich Schütz vom Kunsthistorischen Museum verabschiedet.

Von dem im Titel genannten Dreigestirn ist Albrecht Dürer am häufigsten vertreten, wobei sich die Entwicklung seiner Porträtkunst gut ablesen lässt. Respektheischend und stark konturiert hat der deutsche Meister seinen Vater festgehalten, der den Betrachter mit scharfem Blick ansieht. Dürers milderes und schön ausgeleuchtetes "Brustbild einer Venezianerin“ von 1505 steht hingegen unter dem Einfluss der Maler Venedigs wie Giovanni Bellini. Die Ausstellung zeigt auch die gefragte Druckgrafik von Kaiser Maximilian I., die mehrfach nachgedruckt werden musste. Ein Bekenntnis zu akribischer Genauigkeit stellt das Porträt des Bankiers Johannes Kleberger dar, der sich im Stil römischer Kaiser darstellen ließ.

Ähnlichkeit, Lebendigkeit und Wesensnähe galten als die wichtigsten Prinzipien der Porträtmalerei. Dass die deutschen Künstler nicht schmeicheln wollten, wird besonders bei Lucas Cranachs d. Ä. Bildnis von Albrecht von Brandenburg-Ansbach deutlich: Das Schielen des Markgrafen ist klar zu erkennen. Die prächtig gemalten Kleider des hohen Standes faszinieren, etwa das Leopardenoutfit des Bankiers Fugger samt orientalischer Mütze. Dass aller Glanz vergänglich ist, stellt Lucas Furtenagel klar: Das Paar Burgkmair führt einen Spiegel mit, aus dem zwei Totenköpfe blicken. NS

Kunsthistorisches Museum, bis 4.9.


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