Ohren auf  

Eine Hommage an Franz Liszt in drei Akten

Sammelkritik

Lexikon | Miriam Damev | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Wunderkind, Klaviervirtuose, Lebemann, frommer Abbé in Rom, so kennt man Franz Liszt (1811-1886). Doch seine Bedeutung als Komponist und musikalischer Neuerer, als Dirigent, Musikkritiker und Schriftsteller war stets umstritten. Die einen bewundern und verehren ihn, die anderen finden seine Musik geschmacklos, salonhaft aufgeputzt und effekthascherisch. Manchen großen Pianisten gelingt es, hinter die Fassade zu blicken und all diese Klischees Lügen zu strafen.

Jahrelang machten vor allem Männer mit Liszt-Einspielungen auf sich aufmerksam - es hieß, Frauen fehle es an der erforderlichen Kraft für die Interpretation seiner Stücke -, jetzt ziehen die jungen Pianistinnen nach. Die schlicht "Franz Liszt“ (Sony) betitelte erste Solo-CD von Khatia Buniatishvili ist ein tollkühner Ritt durch das Liszt’sche Universum. Gretchen, die unschuldige Schönheit, Mephisto, die teuflische Versuchung, und Faust, das zweifelnde Genie, sind die Protagonisten, sie alle lässt die 23-jährige Georgierin durch Liszts Musik zu Wort kommen.

Apropos geballte Manneskraft: Franz Liszt war die bloße Zurschaustellung brillanten Pomps ebenso zuwider wie pianistische Hexenkünste nur um des Effektes willen. Der brasilianische Pianist Nelson Freire scheint hier der ideale Interpret. Virtuoses Showwerk wird man auf "Harmonies du soir“ (Decca) vergeblich suchen. Freires Stückauswahl offenbart vielmehr die intime, weiche Seite des Komponisten. Im Petrarca-Sonett etwa, der bittersüßen "Valse oubliée“ oder den lyrisch-expressiven "Consolations“. Nelson Freire gestaltet eine anmutige, sehr persönliche und schlichte Hommage an Franz Liszt, die guttut.

Den zweiten Decca-Beitrag zum laufenden Liszt-Jahr liefert Roger Muraro. Drei Klavierepisoden aus dem ersten Zyklus der Schweizer Pilgerjahre stellt er auf "Berlioz/Liszt: Symphonie Fantastique“ Liszts Bearbeitung von Hector Berliozs monumentalem Werk gegenüber, das der CD ihren Titel gibt. Keine leichte Kost, die bei Muraro jedoch in besten Händen ist.


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