Tanz Kritik

Erlösung durch die Torte

Steiermark | Herbert Schranz | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Zwei Gastchoreografen hat der Ballettdirektor der Grazer Oper, Darrel Toulon, geladen, als "führende Persönlichkeiten der internationalen Tanzwelt“ werden sie apostrophiert. Unter dem Sammeltitel "Jump Start“ präsentiert die Tanzkompanie der Oper Graz auf ihrer Studiobühne im "Wilden Mann“ zwei Stücke mit komplementär wirkenden Titeln.

"Resurrection oder die Befremdlichkeit der Zwischenmenschlichkeit“ vom Wiener Choreografen Nikolaus Adler rankt sich um eine Clowngeschichte. Die Resurrection (Auferstehung) erlöst einen verstorbenen Clown, der erst gegen Ende des Stücks wieder lebendig wird, als man sein Gesicht in eine Torte wirft. Nur er hatte sie im bunten Treiben zuvor nicht ins Gesicht bekommen. Clownesk ist die Erscheinung der Tänzer und Tänzerinnen, schon bevor sie ihre Masken aufgemalt bekommen. Hyperaktiv sich produzierendem, aggressivem Werbeverhalten der Tänzer stehen Laufstegposen einzelner Tänzerinnen gegenüber. Die Einzelcharaktere sind, wie auch einzelne Paare, differenziert choreografiert. Es gibt in dieser getanzten Polyphonie Figuren, die an die gespannten Verrenkungen in Bildern von Emil Schiele denken lassen.

Dem prägnanten Ausdruck von Adlers Tanzstück steht eine diffuse Konzeptlastigkeit des Stücks "Sometimes it is not nice to be me“ vom Villacher Guido Markowitz gegenüber. Von einem brillanten, aggressiven Pas des trois in der Mitte des Stücks abgesehen, bleibt das Stück arm an erkennbaren Zusammenhängen. Bezüge ergeben sich aus und rund um das Element Wasser: vom Takt angebenden Wassertropfen aus einem aufgehängten Eimer bis zu geschlagenen Eiswürfeln, von gegurgeltem bis zu mundversprühtem Wasser, also auf so ziemlich alle erdenklichen Arten. Wie das aber mit dem Tanz und dem Stücktitel zusammenhängen soll, bleibt undurchsichtig.

Studiobühne "Wilder Mann“, Graz, Sa, So 20.00


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