Kunst Kritik

Vermessenheiten des Vermessens

Steiermark | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Was sich ein "Universalmuseum“ nennt, ist bei aller Selbstüberhöhung doch verpflichtet, in der Moderne auseinanderdividierte Fachbereiche wieder vor denselben Karren zu spannen. Schließlich gingen Kunst und Wissenschaft einmal Hand in Hand im Ringen um die gewiefteste Methode zur Beschreibung von Mensch und Welt und lernten dabei voneinander viel über den je eigenen Standpunkt. Davon erzählen Naturstudien, kartografischer Blick oder Perspektive. Dass inzwischen der solchen Mesalliancen abtrotzbare Erkenntnisgewinn ein eher bescheidener ist, haben schon andere Veranstaltungen des Joanneums bewiesen. Zu dessen 200. Geburtstag unternimmt das Kunsthaus dennoch einen weiteren Anlauf, die Methoden und Weltbilder von Kunst und Wissenschaft fruchtbar zu verbinden. Auf die Welt zurückgeworfen ergibt das eine erstaunliche Dichte an Karten. Vik Muniz baut die Welt aus verschrotteter Computer-Hardware nach, Grayson Perry und Stephan Huber zeichnen Mind-Maps, die wie Weltkarten aussehen, und Zoe Leonard befragt das Verhältnis von Modell und Wirklichkeit, indem sie sich fotografisch mit dem Blick auf Globen und Stadtmodelle beschäftigt. Die Ausstellung "Vermessung der Welt. Heterotopien und Wissensräume in der Kunst“ will das Denken und Ordnen als Vorstufen des Musealisierens begreifen, bestätigt aber auch, wie weit Kunst und Wissenschaft inzwischen auseinanderliegen. Die künstlerischen Weltbezüge streben kaum nach Überprüfbarkeit. Und sie bleiben auch an der ästhetischen Oberfläche. Am deutlichsten Thomas Struths Bilder von Gerätschaften modernster Physik, Sharon Lockharts Beobachtungen archäologischer Arbeit oder die Auseinandersetzung mit dem Zettelkatalog der ÖNB von Heimo Zobernig und Ernst Strouhal. UT

Kunsthaus Graz, bis 4. 9.


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