Meinesgleichen

Denen ihre Sorgen möchten wir nicht haben

Falter & Meinung | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Fußball ist in Deutschland immer ein Thema. Während wir uns mit Nostalgiehäppchen (100 Jahre Austria) oder ein bisserl Hooliganismus (Rapid) abspeisen lassen müssen und höchstens darauf hoffen könne, dass unsere Nachwuchskicker bei deutschen Vereinen Fuß fassen, damit auch unsere Nationalmannschaft irgendwann einmal irgendeine Qualifikation übersteht, haben sich die Deutschen schon wieder für die EM qualifiziert. Und sie bereiten sich auf die erfolgreiche Titelverteidigung ihrer Frauenmannschaft bei der kommenden Sonntag beginnenden Weltmeisterschaft vor. Damit nicht genug, führen sie einen öffentlichen Disput über den unfreiwilligen Abschied des Kapitäns der Nationalmannschaft, Michael Ballack, den Nationaltrainer Joachim Löw nicht mehr brauchen kann.

Widersprüchliche Versionen über Gespräche zwischen den beiden sind im Umlauf, Ballack fühlte sich zum Weitermachen aufgefordert, der Deutsche Fußballbund hingegen behauptet, Löw habe Ballack klargemacht, dass er ohne ihn plane. All das wäre nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist eher, dass sich die Qualitätszeitungen an der Diskussion des Dramas beteiligen und es staatstragend kommentieren. "Wenn dem so wäre, dass Löw seinem Generalsekretär mitgeteilt hat, Ballack abserviert zu haben, ihn stattdessen aber zum Weitermachen ermunterte, dann müsste der Bundestrainer zurücktreten.“ Tja, so sind sie, die Deutschen. Würden wir denen folgen, wären unsere Parlamente leer.


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