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Politik | Lisa Mayr | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Bücher, kurz besprochen

Das Soziale und der Sex

Setzt eine Sexualität, in der sich das Individuum frei von gesellschaftlichen Zwängen entfalten kann, die revolutionäre Überwindung der bestehenden Verhältnisse voraus? Oder ist sie selbst Voraussetzung für neue Verhältnisse? Der Reader "Die Linke und der Sex“ gibt keine Antwort auf diese Frage. Aber er macht deutlich, dass Geschlecht und Sexualität noch heute als Nebenwidersprüche des "Hauptwiderspruchs“ zwischen Kapital und Arbeit gelten.

Der lesenswerte Band vereint historische Schriften und aktuelle Einlassungen und zeigt, wie sexuelle Befreiung stets in engem Zusammenhang mit sozialen Revolten stand. Der älteste Text im Buch - ein Essay der russischen Kommunistin Alexandra Kollontai - stammt von 1918, der jüngste aus dem Jahr 2007. Die 68er-Linke griff Kollontais Ideen von der "erotischen Freundschaft“ auf - die Überwindung bürgerlicher Konstitutive und die Hinwendung zum Anti-Autoritarismus in bestimmten Bereichen konnte aber weder gesellschaftliche Gleichheit herstellen noch eine befriedigende Antwort auf die Geschlechterfrage geben.

"Die Linke und der Sex“ macht deutlich, dass es in der Linken stets Versuche gegeben hat, marxistische, feministische und queere Ansätze zusammenzuführen - um eine grundsätzliche Kritik der Sexualität im Kapitalismus zu formulieren.

Barbara Eder, Felix Wemheuer (Hg.): Die Linke und der Sex. Klassische Texte zum wichtigsten Thema. Promedia, 176 S., € 12,90


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