Mediaforschung  

Wie kommen Ihre Bauarbeiter auf ein Plakat, Herr Kirisits?

Nachfragekolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Es ist eine der prominentesten Baustellen Wiens, auch wenn sie von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Hinter Planen versteckt finden derzeit am Stadtpalais Liechtenstein in der Bankgasse, gleich hinter dem Burgtheater, umfangreiche Bauarbeiten statt. Fürst Hans-Adam zu Liechtenstein will hier Ende nächsten Jahres seinen zweiten Museumsstandort eröffnen.

Dafür wird nicht nur ein dreigeschoßiger Tiefspeicher für die fürstliche Kunstsammlung geschaffen, auch die Fassade und die barocken Stuckdecken und -wände und -böden des historisch bedeutsamen Barockbaus werden restauriert. Zu diesem Zweck wurden parallel zu den normalen Bauarbeiten Zwischendecken eingezogen, damit gleichzeitig Grob- und Feinarbeiten erledigt werden können. 90 Millionen Umbaukosten, 300.000 Lohnstunden, 8000 Kubikmeter Schutt wurden von den peniblen Liechtensteinern projektiert.

Und wer sind die Menschen hinter diesen Zahlen? Auf diese Frage gibt das Bauunternehmen Porr vor Ort eine ungewöhnliche Antwort: Auf dem Bauzaun prangt ein Plakat mit zwei Dutzend gelb behelmten Bauarbeitern - darunter auch eine Frau.

Aber nicht nur das, das barocke Flair des Hauses inspirierte die Bauleitung offenbar auch zu Blumenkistchen auf dem Baucontainer. In der Porr-Zentrale hat man damit nichts zu tun, die Initiative ging von vor Ort aus. "Wir wollten unseren Arbeitern ein Gesicht geben. Der Architekt, alle anderen Planer und alle Arbeiter haben dadurch die Möglichkeit, sich auf der Bautafel darzustellen, speziell das gewerbliche Personal, das die schwerste Arbeit verrichtet“, erklärt Bauleiter Robert Kirisits, "Wir sind alle sehr stolz auf das Plakat.“

Auch so kann Imagewerbung also funktionieren - ohne viel Werbe- und Marketingaufwand.


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