Enthusiasmuskolumne  

Champagner her, die Elite ist da!

Diesmal: Das beste Tennis der Welt der Woche

Feuilleton | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Fußballfans fiebern alle zwei Jahre einer WM oder EM entgegen. Tennisfans haben es besser: Ihr Lieblingsturnier findet jedes Jahr statt, und zwar in Wimbledon. Seit Montag läuft die 125. Auflage.

Theoretisch sind die Londoner "Lawn Tennis Championships“ zwar nur eines von vier Grand-Slam-Turnieren, für die Gewinner gibt es hier nicht mehr Punkte als in Melbourne, Paris und New York. Trotzdem ist ein Sieg in Wimbledon mehr wert. So erfolgreich kann ein Tennisspieler gar nicht sein, wenn er nie Wimbledon gewonnen hat, ist seine Karriere unvollendet. (Sollte Ihnen zufällig einmal Ivan Lendl über den Weg laufen, sprechen Sie ihn lieber nicht darauf an!)

Wimbledon ist das Tennisturnier. Der Prolosport Tennis, hier hat er noch was Aristokratisches. Die Zuschauer trinken nicht nur gern Champagner, sie sind auch fairer als bei anderen Grand Slams.

Das spezielle Flair verdankt sich zu einem Gutteil den spleenigen Traditionen, für die wir England so lieben. Nur hier gibt es eine Loge für Mitglieder des Königshauses ("Royal Box“). Nur hier gibt es einen Dresscode für die Spielerinnen und Spieler (weiß!). Nur hier campieren Fans über Nacht, um Restkarten zu erwerben (wobei es selbstverständlich auch für das Schlangestehen strikte Regeln gibt).

Andererseits ist der All England Lawn Tennis & Croquet Club, der das Turnier veranstaltet, darauf bedacht, Spielern und Publikum beste Bedingungen zu bieten. Technischen Innovationen gegenüber ist man in Wimbledon aufgeschlossen; elektronische Linienüberwachungssysteme etwa sind hier schon lange im Einsatz.

Der offensichtlichste Unterschied: In Wimbledon wird auf Gras gespielt. Das sieht super aus, ist für Tennis aber schwieriges Terrain. Die Bälle verspringen sich häufig, und die Plätze werden im Laufe des Turniers immer schlechter. Es gibt also gute Gründe dafür, dass kein anderes wichtiges Turnier auf Gras ausgetragen wird. Der beste Grund aber lautet: Es kann nur einen heiligen Rasen geben.


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