Viele wollen, keiner braucht ihn: Was wurde eigentlich aus dem Leseturm?

Feuilleton | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Über 60 Meter hätte der Turm mit dem elliptischen Grundriss in die Höhe ragen sollen. Der Leseturm wäre der Orientierungspunkt des neuen Kulturzentrums gewesen, ein weithin sichtbares Signal, dass im ehemaligen Messepalast auch die neue Kunst zu Hause ist.

Wäre der schmale Turm gebaut worden, würde er heute im zentralen Innenhof des MQ stehen. Das Hochhaus der Architekten Laurids und Manfred Ortner war noch im siegreichen Wettbewerbsentwurf vorgesehen. Nach einer durch die Kronen Zeitung unterstützten Kampagne wurde das Vorhaben dann aber abgesagt.

Heute weiß niemand mehr so genau, was in dem Turm eigentlich hätte drin sein sollen. Gedacht war er als eine Art Informationszentrum, wo der Besucher in mehreren übereinandergestapelten Salons Bücher, Videos und anderes Material zu den in den Museen dargestellten Ausstellungsthemen finden würde.

Das Konzept klingt 20 Jahre nach seiner Erstellung noch weniger überzeugend als damals. Zum Symbol des MQ wurde der Leseturm aber dennoch.

Der langjährige Manager des Areals, Wolfgang Waldner, hatte eine vom Architekten angefertigte Zeichnung des Leseturms in seinem Büro hängen. "Als Signal für die Moderne wäre er immer noch wünschenswert“, sagt der neu ernannte Staatssekretär der Außenpolitik.

"So eine Sache fehlt“, sagt auch der Architekt Laurids Ortner. Die örtliche Orientierung sei nicht mehr notwendig. Die Besucher fänden den Eingang auch ohne Hilfe. Der Architekt argumentiert im Sinne einer "weiteren Verdichtung“. Es müsse ja nicht unbedingt ein Turm sein.

Ortner präsentierte unlängst den Entwurf eines libellenartigen Aufbaus auf dem Leopold Museum. Damit könnte der bisher kaum genutzte Luftraum erschlossen werden. Weit oben stehen und auf die Stadt runterschauen: Das wäre ein Spaß.

Ein möglicher Standort für eine Verbauung wäre der Platz am seitlichen Rand des MQ Richtung Mariahilfer Straße. Ein Designzentrum war für diesen Standort im Gespräch, die Pläne verschwanden dann aber wieder in der Schublade.


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