Zum Beispiel Nénette

Feuilleton | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Ganz ohne Tierdoku-Kitsch porträtiert "Nénette“ ein altes Orang-Utan-Weibchen im Pariser Zoo

Filmkritik: Maya McKechneay

Knut ist tot. Aber der Boom, den der Berliner Eisbär ausgelöst hat, setzt sich im Fernsehen fort. Tiergarten-Doku-Soaps mit Titeln wie "Eisbär, Affe & Co“ lassen es gehörig menscheln, wenn Pinguine Liebeskummer haben oder das Zebra zum Doktor muss.

Und weil wilde Tiere hinter Glas und Elektrozäunen per se nicht besonders lustig sind, tragen launige Kommentare der Pfleger sowie Klamottenkisten-Musik dafür Sorge, dass der Zuschauer nicht mit seiner eigenen Lesart der Bilder alleine bleibt. Denn die wäre am Ende deprimierend.

Der Pariser Filmemacher Nicolas Philibert ("Être et avoir“) setzt solchen süßlich-anbiedernden Formaten gezielten Minimalismus entgegen. Seine 70-minütige Kinodokumentation "Nénette“ versucht erst gar nicht, die trennende Sicherheitsglasscheibe zwischen Tier und Mensch zu überspielen, vielmehr macht er sie bewusst zum Thema.

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