Stadtrand 

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Hier kommt die neue Wiener Lässigkeit

Gerade eben dem türkischen Änderungsschneider zwei Hosen zum Reparieren gebracht. Anzahlung? Braucht er nicht. Namen, Adresse, Zettel ausfüllen? Egal. Am Freitag ist es fertig. Neulich bei der Aida kein Geld dabeigehabt und viel bestellt: Ach, zahlen Sie’s einfach beim nächsten Mal. Neue Waschmaschine angeschafft und für den Heimtransport die Rodel ausgeborgt: Bringen Sie sie halt wieder zurück. Zum Verkauf angebotenes Motorrad für 24 Stunden zum Testfahren überlassen bekommen, einfach so. Gut, man sollte die neue Wiener Lässigkeit nicht überstrapazieren ("Darf ich, lieber Juwelier, die Rolex über Nacht mit nach Hause nehmen?“; "Würden Sie, fremde Frau, mir kurz Ihr Auto leihen. Ich muss wen vom Flughafen abholen?“; "Gib mir ruhig deinen Wohnungsschlüssel, Unbekannter, ich passe gerne auf deine Katze auf!“). Aber irgendwie ist es auch sehr beruhigend, in einer Stadt zu leben, in der die meisten Menschen einander Vertrauen entgegenbringen. Und nein, ich werde Sie trotzdem nicht mein iPad "nur mal kurz halten“ lassen.


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