Prost!  

Da ist nicht drin, was so hoffnungsvoll verkündet wurde

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Vöslauer Nordbeere-Hopfen

Stadtleben | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Eine weitere Folge in der endlosen Seifenoper der Near-Water-Getränke: Vöslauer Nordbeere-Hopfen ist nun nach einer gewieften Marketing-Kampagne in die Supermärkte gelangt. Was so hoffnungsvoll nach einer neuen Geschmacksfacette klang - Hopfen! -, ist nun kein schlechter, aber doch berechnender flavour geworden. Eben weil vom Hopfen nichts zu schmecken ist und weil sich hinter dem fast poetisch anmutenden Namen Nordbeere eine Mischung aus den alten Bekannten Heidelbeere und ihrer griesgrämigen Verwandten, der Preiselbeere, verbirgt. Die Base Blase freut sich über die homöopathische Behandlung. Die gute Heidelbeere gibt den sanften Ton an, und Genossin Cranberry schimpft ganz leise im Hintergrund. Gemeinsam mit dem dude Hopfen erinnern sie fast an die Alten bei der "Muppet Show“, die zwar auf die Empore gehievt wurden und sich das Maul über das dargebotene Spektakel zerreißen, praktisch aber nichts zu sagen haben.

Deshalb ein Aufruf: Haltet ein, Fooddesigner, was ihr so hoffnungsfroh über euer Medium Werbung verkündet! Aufgrund des großen Absatzmarktes könnte man auch zur Abwechslung entschiedener den propagierten Geschmack im Wasser abbilden. Die Zeit ist längst reif für ein antialkoholisches Getränk, dass weder süß noch fruchtig die postmodernen Gaumen bedient. Nehmt euch ein Beispiel an der Birke, die ihr prächtiges Dasein in den weiten Wäldern des Nordens und in schaurig bitteren Entschlackungskuren fristet. Ach, es gäbe noch viel zu entdecken. ms


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